Unsere Spitzhornschnecken vermehren sich ununterbrochen. Sie sind Weidegänger, also eigentlich Brüder und Schwestern der Schafe hinterm Haus. Sie raspeln systematisch Faden- und andere Aufwuchsalgen ab, umklammern Blätter und Blüten, die im Teich gelandet sind, oder hängen an abgestorbenen Pflanzenteilen wie Kinder im Wasser an einer Luftmatratze.
Es sind Lungenatmer. Das haben sie mit den Schafen gemein, nur dass bei ihnen alles ohne einen einzigen Laut geschieht. Nie sind sie in Eile, als lebten sie außerhalb der Zeit. Das Gleiten ihres Fußes direkt an der Wasserunterfläche hat etwas Magisches. Es geschieht ohne jegliche Kraftanstrengung, als wäre es das natürlichste auf der Welt, kopfunter am nassen Nichts aufgehängt zu sein.
Anders als andere Schnecken haben sie nicht die Möglichkeit ihr Haus zu verschließen und fische ich sie aus dem Wasser, so taste ich ihr Gehäuse am Eintritt, zart und zerbrechlich. Ob das der Grund ist, dass sie jederzeit bereit sind, sich mit einander zu verbinden, sich zu umschlingen und gemeinsam das Wasser zu durchchweben? Schnecken in Love.
Genau das führt dazu, dass ihre Existenz im Teich sehr umstritten ist. Unliebsame Gäste. Einmal eingezogen, wird man sie angeblich nie mehr los. Ihre unentwegten Liebeseskapaden führen zu unzähligen, an Blattunterseiten verhafteten, zukünftigen Schneckenpopulationen, die sich munter weiter fortpflanzen. Andererseits preisen einige die Schnecke als unbedingtes Muss für jedes Gewässer, ein ökologisch unbedenklicher Algenvernichter, der sich über alles her macht, was nicht in einen Gartenteich gehört. Es schleicht sich allerdings der Gedanke ein, dass dies besonders jene propagieren, die Spitzhornschnecken im zwanziger Pack für 14,95€ bei Ebay anbieten.

Ich gehöre zu den Menschen, die sie mögen.
Was mich nicht daran hindert, sie mehrmals im Jahr in einen naheliegenden Naturteich auszubürgern.
Hunderte sind schon umgezogen.
Ausschüttung, ohne Gewinn. Na und.

