Milchbumenblüte

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Im französischen heißen Schneeglöckchen „Perce-Neige“ – die, die den Schnee durchbohren.
Auch bei uns im Garten sind sie die Ersten die sich trauen. Gemeinsam mit ein paar Winterlingen und den knallroten Blüten der Zierquitte – ach ja und natürlich den Christrosen.

Ihr Name  „galanthus nivalis“ stammt ursprünglich aus dem Griechischen. Er setzt sich zusammen aus gala – Milch und anthos – Blüte oder Blume. Nivalis, ebenfalls aus dem Griechischen heißt soviel wie schneeweiß.

Schief gewickelt

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Nach drei Tagen sind sie wieder verschwunden. Die alte Hasel ausgebuddelt. Sandsteine gesetzt. Die Granitbank, die mir wie ein Rosendorn unter der Haut steckte, durch den Garten und aus meinen Augen geschleppt. Wir werden sie als Wasserbecken in die Erde einlassen. Der Dorn wird zu einer kleinen Seerose werden, die sich im Wasser unter den weidenblättrigen Birnen spiegelt.

Ich schaue ihnen gern zu. Herr Sch. und Herr F. Sie wissen genau was zu tun ist. An keiner Stelle scheint es etwas Unüberlegtes, Überflüssiges oder Zögerliches zu geben. Die Einzigen, die für Verwirrung und Atempausen sorgen sind P. und ich, mit neuen Ideen oder Umentscheidungen. Die Beiden folgen uns, machen alles möglich. Hinterher verlassen sie den Garten aufgeräumter als vorher. Ein paar Abdrücke bleiben zurück.  Am Teich, wo sie die Monsterseerose aus dem Wasser gebaggert haben, werden sich die platt gefahrenen Sumpfpflanzen wieder aufrichten, die Libellenlarven die Unordnung erobern und die begrabenen Schneeglöckchen, die sich plötzlich Kopfblütenunter in der Erde wiederfinden ans Tageslicht zurückwachsen. Letztere wohl  erst im nächsten Jahr.
Sie setzen zwei Felsenbirnen. Wie ägyptische Mumien stehen sie am Rande des Gartens und warten auf ihre Entwicklung.
Gemeinsam mit der Sandsteinabgrenzung gestalten sie den weichen Übergang des Gartens in die Wiesen. Sie sollen die Leichtigkeit der Landschaft transportieren und den Raum für Gräser öffnen, Knöterich und Rispenhortensien einfassen, in deren Zentrum der Sonnenuntergangsplatz liegt.
Die Felsenbirnen erhalten ihren ersten Erziehungsschnitt. Ich frage mich, ob in der Art wie wir Bäume schneiden auch unsere Kinder erzogen werden. Über die Hälfte der Äste und Zweige geht verloren. Die eine Birne macht es uns besonders schwer. Einer der stärksten Triebe muss raus. Herr F. übernimmt. Ich will es nicht sehen.

Sie sollen unten herum ganz Licht sein. Den Schirm oben entwickeln.
Das Blütenmeer. Den Beerenhimmel. Das blutrote Herbstdach.

Jahr des Schafes

DSCN3146 Wir haben immer Jahr des Schafes, auch ohne chinesisches Neujahrsfest (19.Februar 2015)

„Das Jahr des Schafes (羊 – yáng) wird erfüllt sein von der Sehnsucht nach Harmonie.
Kommt zu dem Schriftzeichen „Yang“ das Zeichen für „Berg“ hinzu, handelt es sich um eine Ziege, zusammen mit dem Zeichen für „weich“ ist ein Schaf gemeint. Steht „gelb“ dabei, kommt noch ein drittes Tier ins Spiel: die mongolische Gazelle....
Wichtiger seien die mit dem Schriftzeichen verbundenen Assoziationen: „Yang“ ist Bestandteil des Zeichens „Xiang“, das Glück heißt.

Na, wußte ich doch. Das trifft es genau. Schafe machen glücklich.
Unsere tragen Tunnel in jedem Ohr. Wahrscheinlich damit sie beide Ohren zuordnen können oder um nicht ungleichgewichtig zu sein  oder einfach weil`’s süss aussieht. Mal S. nach dem tieferen Sinn fragen.

Im Internet lese ich, dass es Pflicht ist. Zweiohrig. Einohrig ist nur bei Schlachttieren erlaubt. Na dann…immer schön beide Ohren zeigen  Maple, Lane und Cloud!

Sie treten meistens in Formation auf. Hintereinander, nebeneinander, seltener übereinander – ab und zu gegeneinander. Keiner weiß so genau wieso plötzlich eines das Andere bufft. Dann stehen sie sich gegenüber, knallen ihre Köpfe aneinander und machen einen auf dicke Eier. Kurze Zeit später grasen sie wieder, als sei nix gewesen. Kommt mir irgendwie bekannt vor.

Vergänglichkeit

Sepiatöne beherrschen den Garten. Im Moment glitzern kleine funkelnde Eis- und Schneereste in den trockenen Blütenständen.
Die kleinen Randblüten der Samthortensie  sitzen mit ihren transparenten Blütengebilden wie Falter an den zerbrechlichen  Stielen und bewegen sich  im Luftzug der zarten Schneewinde. Wie kann etwas  so zerbrechlich Scheinendes diesen eisigen Temperaturen trotzen? Und wie kann etwas in seiner Vergänglichkeit  so zauberhaft schön sein?

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Patina des Gartens. Die Blüten schenken mir, was wir uns an anderer Stelle teuer erkaufen. Die alten Sandsteine. Die Tröge mit ihren vom Frost zerfressenen Oberflächen. Die alten thailändischen Glocken, die überall verteilt ihre Klänge in die Bäume schicken. Die Kupferrinnen, die längst ihren strahlenden Glanz eingebüßt haben. Die alte Fahne am Holzzaun, die sich nur noch mit Mühe zusammenreißt und ihre Farben längst an  Regen und  Sonne abgegeben hat.

Letztens schüttelte P. den Kopf über die alten durchlöcherten Jeans, die es für viel Geld zu erwerben gibt.
Jetzt fallen sie mir ein. Entsteht der Wunsch nach einer durchlöcherten Jeans nicht auch aus dem Wunsch etwas zu besitzen, das so aussieht als hätte es eine Vergangenheit, eine Geschichte? Wir kaufen keine Jeans. Wir kaufen Zeit. Wir wollen eine Geschichte erzählen, die gar nicht stattgefunden hat, weil wir ungeduldig sind und nicht auf die natürliche Zersetzung der Dinge warten können. Und dann kombinieren wir genau dieses ramponierte und kaputte Etwas mit kostbaren Ergänzungen, damit auch der letzte Zweifel ausgelöscht ist – es könnte aus der Armut entstanden sein.
Vielleicht fehlt einigen, die auf zerlöcherte Jeans, abgewetzten Ledertaschen und  Patinastiefel stehen einfach nur die Möglichkeit im eigenen Garten die Zeit zu beobachten? Oder ist es doch nur eine Modeerscheinung und hat mit all dem nichts zu tun? Ein wenig skeptisch bin ich da schon. Ich liebe alte Steine, Hölzer und Stoffe. Ich habe einen Garten – und mag Ledertaschen, die auf alt getrimmt sind und liebäugel schon länger mit einer Jeans, die etwas zerschlissen ist.

Patina im Garten. Den kleinen Blüten der Samthortensie ist das alles ziemlich egal.
Es gibt immer wieder die Diskussion darüber, wann genau man die Blütenstände bei Hortensien schneiden sollte.
Im Herbst oder erst im Frühling?

DSCN9942                                                   Für alle, die sich gern verzaubern lassen, überhaupt keine Frage.

Schneetreiben

Und dann fällt doch noch Schnee.

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Der Garten färbt sich weiß. Lautlos. Nicht nur, dass die Flocken ohne jedes Geräusch vom Himmel fallen, sie überziehen  auch die Erde mit Stille. Jetzt bange ich doch ein wenig um den Schneeflockenbaum, der den ersten Winter bei uns erlebt. Ob ihn die kleinen Eiskristalldreiecke, die sich in seinen Zweiggabeln zusammen tun, daran erinnern,  dass er trotz seines Namens im Sommer seine beste Zeit hat?

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Am liebsten würde ich allen Knospen eine Mütze aufsetzen. Die kleinen knallroten Blüten der japanischen Zierquitte vor der Mauer leuchten dem Schnee entgegen, als könne sie nichts in der Welt aufhalten. Sie sind die ersten Blüten in unserem Garten.

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Vorräte für den Winter

Im Herbst wimmelte es im Garten Blüten. Hortensien wohin ich auch schaute. Sie speichern das Licht und die Farben des Sommers.  Sie schlafen zwischen den Seiten der dicken Bildbände über Asien und vergessene Künste. Jetzt im  Januar  mache ich sie wach.

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Innen Leben

Während der Garten ruht, zeigt mir die Lampignonblume ihr Inneres. Vollmond.
Leuchtend Orange. Als müsste sie gegen das viele winterliche Braun anstrahlen.
Nur wenn sie mit ihren Wurzeln verbunden bleibt, entsteht dieses filigrane Zauberwerk.

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Stumme Hähne und kauende Schafe

Ein Dach. Ein französischer Hahn. Den Blick nach Süden, seit Jahrzehnten.
Keine Chance auf Richtungswechsel. Was interessiert uns woher der Wind weht?DSCN0011

Im Norden ein Haus. Dahinter ein Garten. Dahinter die Wiesen.
Drei Schafe mähen das Gras. Schwarze Köpfe. Wollig.

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