Abrakadabra…

 

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…. der Schnee geht.

Ein letzter Blick  von der Rückseite unseres Hauses. Die Farben von Holz, Stroh, Erde und Grün kommen zum Vorschein.  Vorbei, der Duft von Winter und  frisch gewaschener Wäsche.

Vorbei,  die Stille zwischen dem Knirschen meiner Schritte und dem Winterschlaf der kleinen Glocken, die überall im Garten verteilt sind. Ihnen schreibt man die Fähigkeit zu,  durch ihr  Geläut, Himmel und Erde miteinander zu verbinden. Haben wir sie deshalb im ganzen Garten verteilt?

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Mir fällt auf, dass unsere Glocken  keine Namen haben. Früher gaben die Menschen ihren Glocken Namen. So eng war die Beziehung zwischen Menschen und Glocken. So heißt die Glocke der Frauenkirche in Dresden „die JESAJA“.  Andere heißen dicker Pitter, Kaspar, Luther…Wer und was geschätzt wird, bekommt einen Namen. Das Schwein, von Rolf auf Malle, bekommt keinen Namen. Es heißt nur Saui oder Schweini. Da es jedes Jahr geschlachtet wird, würde ein Name die Sache nur verkomplizieren. Jedes Jahr gibt‘ s ein neues Saui.  Heutzutage gibt man vielen Dingen einen Namen.  Da wäre zum Beispiel gerade Jonas, der die gesamte Nordostküste der USA lahmlegt.  So ein Snowzilla erhält den Namen eher zur Unterscheidung und aus Respekt. Gegnern gibt man Namen. Das erlaubt es, Ihnen entgegenzutreten, sie auf gleiche Ebene zu holen,  sie werden sicht- und bewältig bar und manchmal etwas kleiner. Obwohl Jonas gerade  sehr deutlich macht, wer das Sagen hat.

Wenn unsere Glocken Namen hätten, dann würde ich mich am Abend  kurz aus dem Fenster lehnen und ihnen zurufen: „Mingun, Blaukehlchen, Rambo,  Ghanta… schlaft gut und nervt mich nicht mit eurem Gebimmel in der Nacht. Da verbinden meine Träume schon die Erde mit dem Himmel. Das sollte reichen“. Dann könnte ich den Rest der Familie auch gleich miteinbeziehen. Die Katze, die zwei Schafe, die Ponys hinterm Haus, deren Nüstern mit kleinen Fontänen aus Eiskristallen dekoriert sind und aus deren Schnauzen kein Samt gemacht wird, wie von mir als Kind angenommen.

 

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Spinnen  bekommen von mir grundsätzlich keinen Namen. Obwohl das nicht gerecht ist. Und auch nicht unbedingt schlau.

Dem Kakerlaken in unserem Bettgestell auf Koh Lanta (Thailand), den wir drei Nächte erfolglos zu erwischen suchten und der sich zwar sichtbar, aber nie erreichbar, in den Ritzen des Holzes versteckte, haben wir zu guter Letzt auch einen Namen gegeben. Er hatte uns keine Wahl gelassen. Wie schon gesagt, Namen holen den anderen auf unsere Ebene und können ihn kleiner machen, ungefährlicher. Das kommt natürlich darauf an, welchen Namen man auswählt. Wir nannten  den Kakerlaken Willy. Das machte ihn zu einem von uns und ermöglichte ein unaufgeregtes Zusammenleben in den restlichen Tagen.

Die Fangfallen der Spinnentiere waren in den letzten Tagen  für alle sichtbar. Rund um den alten Schuppen  waren ihre Kunstwerke platziert. Mir hat es gefallen. Für die Spinnen selbst, waren es eher schlechte Zeiten. In offensichtliche Fallen fliegt niemand und mit der Klebehaftung  dürfte es auch gehapert haben.  Da  können höchstens die Beine festfrieren. Aber dann hätte  auch die Spinne schlechte Karten. Ich habe keine entdeckt. Keine Beine. Keine Spinnen.

 

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