花より団子

japanische Kirschblüte

„Blüten beschauen“, bedeutet das japanische Wort Hanami.
Mancher reist dafür nach Nippon, Tokio oder Kyōto.

Pflaume, Pfirsich und Kirsche geben sich dort von Januar bis April die Tür  in die Hand, bis letztendlich alle überzeugt sind, dass jetzt Frühling ist und sie sie für ein Jahr schließen. Es ist vor allem die Kirschblüte, die gleichzeitig für Aufbruch und Vergänglichkeit steht. Einmal blühen und dann vergehen.  Keine Früchte, kein Ziel, kein Ergebnis, auf das es sich noch zu warten lohnt.  Ein zarter Hauch von Rosa, ist Grund genug,  für ein ganzes Land zu taumeln.

In Deutschland feiert man die reiche Ernte im Herbst, die eingesammelten Vorräte, an denen noch der Schweiß und Dreck der emsigen Hände klebt, die unermüdlich das ganze Jahr pflügen, sähen, hacken, pflücken und Kisten, wie Keller füllen.
Hana yori dango (jap. 花より団子, dt. „lieber Klößchen als Blumen“) ist ein japanisches Sprichwort. Das hat der Japaner sicherlich von uns geklaut. Zu all dem Blütenzauber scheint es nicht zu passen. Will es uns doch soviel sagen wie: Praktisches (Bauch) geht vor Ästhetik.

Die deutsche Kirsche  lebt vorzugsweise im Ortenau und  landet als angebliche Piemontkirsche, diensteifrig in einem
Mon Cheri. Nicht mal als Frucht, darf sie sie selbst sein.
Die japanische Kirsche, Sakura, lebt einzig für das wenige Tage im Jahr andauernde Erblühen. Dann fällt sie im Moment vollendeter Schönheit. Beispiel für einen würdigen, jungen Tod. Nicht nur in der Literatur, auch in der Geschichte.

Heute gibt’s jede Menge Hanamis im eigenen Land. Wie praktisch. Wir sparen Zeit und Geld, können den Kimono im Schrank lassen, die weiße Schminke in die Faschingskiste verbannen und die Holzpantoffeln ins Gartenhaus zurückstellen. Mit dem Sparticket der deutschen Bundesbahn reisen wir in den Norden, nach Hamburg und sitzen, seit 1968 unter Kirschbäumen, mit schaumigen Bier und eingelegtem Matjes oder machen uns auf zum Hanami-Animee in die Pfalz, ohne Blüten, dafür mit Mangas und Saumagen auf dem Teller.

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Dann doch lieber zu Hause bleiben und warten, dass sich hier die Blüten zum Sterben öffnen. Wir sind da auch nicht so pingelig. Unser Kirschbaum ist lange nicht mehr da, schmerzlich wandert mein Blick immer wieder zur leeren Mitte des Gartens. Dafür gibt’s jede Menge Ersatz und auch, wenn sich die Bäume zeitlich nicht alle auf den gleichen Moment einigen können, wird es eine schöne Explosion geben. Die Felsenbirnen haben es am eiligsten. Einige, konnten den Schuss kaum abwarten und haben trotz des kalten Windes  losgelegt.

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Ich kram schon mal die Picknickdecke raus, mach den Sake warm und hol den Fotoapparat. Es soll doch alles bereit sein.

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