Schief gewickelt

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Nach drei Tagen sind sie wieder verschwunden. Die alte Hasel ausgebuddelt. Sandsteine gesetzt. Die Granitbank, die mir wie ein Rosendorn unter der Haut steckte, durch den Garten und aus meinen Augen geschleppt. Wir werden sie als Wasserbecken in die Erde einlassen. Der Dorn wird zu einer kleinen Seerose werden, die sich im Wasser unter den weidenblättrigen Birnen spiegelt.

Ich schaue ihnen gern zu. Herr Sch. und Herr F. Sie wissen genau was zu tun ist. An keiner Stelle scheint es etwas Unüberlegtes, Überflüssiges oder Zögerliches zu geben. Die Einzigen, die für Verwirrung und Atempausen sorgen sind P. und ich, mit neuen Ideen oder Umentscheidungen. Die Beiden folgen uns, machen alles möglich. Hinterher verlassen sie den Garten aufgeräumter als vorher. Ein paar Abdrücke bleiben zurück.  Am Teich, wo sie die Monsterseerose aus dem Wasser gebaggert haben, werden sich die platt gefahrenen Sumpfpflanzen wieder aufrichten, die Libellenlarven die Unordnung erobern und die begrabenen Schneeglöckchen, die sich plötzlich Kopfblütenunter in der Erde wiederfinden ans Tageslicht zurückwachsen. Letztere wohl  erst im nächsten Jahr.
Sie setzen zwei Felsenbirnen. Wie ägyptische Mumien stehen sie am Rande des Gartens und warten auf ihre Entwicklung.
Gemeinsam mit der Sandsteinabgrenzung gestalten sie den weichen Übergang des Gartens in die Wiesen. Sie sollen die Leichtigkeit der Landschaft transportieren und den Raum für Gräser öffnen, Knöterich und Rispenhortensien einfassen, in deren Zentrum der Sonnenuntergangsplatz liegt.
Die Felsenbirnen erhalten ihren ersten Erziehungsschnitt. Ich frage mich, ob in der Art wie wir Bäume schneiden auch unsere Kinder erzogen werden. Über die Hälfte der Äste und Zweige geht verloren. Die eine Birne macht es uns besonders schwer. Einer der stärksten Triebe muss raus. Herr F. übernimmt. Ich will es nicht sehen.

Sie sollen unten herum ganz Licht sein. Den Schirm oben entwickeln.
Das Blütenmeer. Den Beerenhimmel. Das blutrote Herbstdach.

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